1901
Alberto wird in Borgonovo im Bergell als Sohn des bekannten Malers Giovanni Giacometti (1868-1933) und der Annetta geboren; es folgen 1902 Diego, 1904 Ottilia und 1907 Bruno. 1905 übersiedeln sie nach Stampa.
1915 - 1919
Internatsschüler des Gymnasium Schiers
1919/1920
Kunststudium in Genf.
1920/21
Mit dem Vater an der Biennale in Venedig; tief beeindruckt von Tintoretto und Giotto. Im Herbst über Florenz nach Rom, wo er bis in den Sommer bei Verwandten wohnt und seine Studien fortsetzt. Im Herbst 1921 traumatisiert ihn der plötzliche Tod eines Reisegefährten nachhaltig.
| 1922 - 1927
Studium der Skulptur an der Académie de la Grande Chaumière bei Antoine Bourdelle in Paris. Im Sommer lange Aufenthalte in Stampa und Maloja, wohin er immer wieder zurückkehren wird.
1925
Auseinandersetzung mit dem Kubismus und der aussereuropäischen Kunst. Er debütiert am Salon d'Automne mit dem Torse.
1927
Die Brüder übersiedeln in das Atelier an der Rue Hippolyte-Maindron, wo sie bis an ihr Lebensende bleiben. Im Sommer entstehen mehrere Köpfe nach dem Vater und der Mutter.
1929
Mit dem Tête qui regarde wird Giacometti in Avantgarde-Kreisen plötzlich berühmt. Bekanntschaft mit Masson, Arp, Max Ernst, Miró, Picasso ... . Es entstehen die stark durchbrochenen Plastiken.
1930 - 1932
Die Boule suspendue führt Giacometti in den orthodoxen Surrealisten-Kreis André Bretons und Salvador Dalís. Ihrer Auffassung entsprechen die objets désagréables und die Schaumodelle psychischer Vorgänge.
1934
Mit dem Objet invisible und dem Cube gestaltet Alberto seine letzten surrealistischen Skulpturen. Ausstellung im Kunsthaus Zürich. |
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1935 - 1938
Rückkehr zum Modellstudium. Auseinandersetzung mit ägyptischer und mesopotamischer Skulptur.
1938 - 1946
Alberto wird von einem Auto angefahren. Versuche, die Erscheinung einer Person in der Ferne in winzigen Figürchen zu erfassen.
1942 - 1945
Alberto lebt in Genf, verkehrt mit exilierten Pariser Literaten und lernt Annette Arm kennen.
1945/46
Nach Kriegsende Rückkehr nach Paris. Kriegserlebnisse werden in den Fragment-Skulpturen verarbeitet.
1946/47
Visionsartig überdeutliche Wahrnehmungen und das Zeichnen führen zu den ganz schmalen, hochaufragenden Figuren.
1948
Im Februar erste Ausstellung in der Galerie Pierre Matisse in New York.
1949/50
Die Schaffens-Euphorie hält mit zahlreichen weiteren Arbeiten im visionären Stil an. In Europa sind sie erstmals in der Kunsthalle Basel im Sommer 1950 zu sehen. Daneben setzt das reife malerische Werk ein.
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1951
Erste Ausstellung bei seinem Pariser Galeristen Aimé Maeght.
1952/54
Überwindung des extrem schlanken Stils und Vertiefung den «phänomenologischen Realismus» in Gemälden, Büsten nach Diego und Aktstudien nach Annette.
1955/56
Nachdem bereits 1955 in Deutschland, in London und New York kleinere Einzelausstellungen stattfanden, organisiert Franz Meyer in der Kunsthalle Bern die erste grössere Retrospektive. Für die Biennale in Venedig formt Alberto die Serie der Femmes de Venise.
1956/57
Im Herbst 1956 beginnt Alberto nach dem japanischen Philosophieprofessor Isaku Yanaihara zu malen, was zu einer Schaffenskrise und einer neuen Bildauffassung führt. |
1958
Giacometti beginnt die Arbeit an den grossen Figuren für die Chase Manhatten Plaza in New York, die 1960 gegossen werden, und die Folge von Lithographien für Paris sans fin.
1961
Erste Gemälde nach Caroline.
1962
Grosser Staatspreis der Biennale in Venedig. Umfassende Ausstellung im Kunsthaus Zürich.
1963
Im Februar Entfernung eines Magenkrebses. Langer Aufenthalt bei seiner Mutter in Stampa. Sie stirbt im Januar 1964.
1965
Zahlreiche Ehrungen und grosse Ausstellungen, u.a. in London, Dänemark und New York, zu denen er trotz des schlechten Gesundheitszustandes reist. Gründung der Alberto Giacometti-Stiftung, die dank dem Basler Galeristen Ernst Beyeler und Hans Grether die umfassende Giacometti-Sammlung des Pittsburgher Industriellen G. David Thompson erwerben kann. Alberto schenkt der Stiftung etliche Werke.
1966
Alberto Giacometti stirbt am 11. Januar in Chur.
Alberto Giacometti wurde am 10. Oktober 1901 als Sohn des neoimpressio-nistischen Malers Giovanni Giacometti in Borgonovo (heute ein Stadtteil von Stampa) in Graubünden geboren. Sein jüngerer Bruder war der Designer Diego Giacometti (1902-1985), sein Patenonkel Cuno Amiet. Nach einem Studium in Genf und Rom ließ sich Giacometti 1922 in Paris nieder, das mit Ausnahme der frühen vierziger Jahre sein ständiger Wohnsitz blieb. Hier war er zunächst Schüler von Émile-Antoine Bourdelle.
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Ausgehend vom Gestaltungsprinzip des italienischen Futurismus (Italienreise 1920/21) und des Kubismus, schloss sich Giacometti nach einer kurzen Phase der Abstraktion mit idolartigen Objekten wie der Löffelfrau (1926, Fondation Maeght, Saint-Paul-de Vence) in den dreißiger Jahren dem Surrealismus an. Hier leistete er mit teils brutal wirkenden und u. a. von Salvador Dalí hoch gelobten Raumkonstruktionen wie Gepeinigte Frau (1932) oder Palast um vier Uhr morgens (1932/33, Museum of Modern Art, New York) einen bedeutenden Beitrag zur surrealistischen Plastik: Palast um vier Uhr morgens ist ein fragiles tektonisches Skelett, in dem bereits die extremen Überlängungen der Gliedmaßen angedeutet sind, die für seine späteren Plastiken charakteristisch sind.
Erst 1948, nach einer Pause von zwölf Jahren, stellte Giacometti wieder Arbeiten aus, nachdem er zwischenzeitlich mit Skulpturen und Bildern experimentiert und dabei zu einem nahezu entmaterialisierten Stil gefunden hatte, der sowohl sein plastisches wie sein malerisch-graphisches Werk auszeichnet. |
In den vierziger Jahren traf Giacometti u. a. auf Pablo Picasso, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Seit 1945 schuf er fragil erscheinende Figuren und Figurengruppen mit rissiger Oberfläche, die von einer durchdringenden Melancholie erfüllt sind und ein Gefühl existentieller Bedrohung innerhalb des sie umgebenden Raumes vermitteln. Oftmals erinnern die im Pariser Atelier in einem rastlosen Schaffensprozess immer wieder überarbeiteten Skulpturen an vom gleißenden Gegenlicht der Sonne zerklüftete, hilflos verlorene Gestalten (Platz, drei Figuren, ein Kopf, 1950, Museum Ludwig, Köln).
Hin und wieder entstanden aber auch grotesk überzeichnete Plastiken wie Die Nase (1947, Museum Ludwig, Köln). In seiner Malerei und Graphik (Hauptwerk hier ist Paris sans fin, 150 Lithographien von 1969) entwickelte Giacometti einen fast monochrom wirkenden Stil mit feinen, dünnen Strichen in dominierenden Blau- und Grautönen. Bevorzugtes Thema war auch hier die Darstellung des einsam und isoliert wirkenden Individuums im Raum, Modell saßen immer wieder der Bruder Diego, Freunde und Verwandte. In seinem Porträt Die Mutter des Künstlers (1950, Museum of Modern Art, New York) scheint die sitzende Figur in einem Netz von Linien und Strichen zu verschwinden, in dem das Wohnzimmer zu einem indifferenziert klaustrophobischen Gebilde mutiert. Alberto Giacometti starb am 11. Januar 1966 in Chur.
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